Tragbare Airbags retten Leben

Airbags in Kraftfahrzeugen haben ihren Nutzen immer wieder unter Beweis gestellt. Laut Statistiken der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) haben Frontal-Airbags zwischen 1987 und 2015 in den Vereinigten Staaten fast 45.000 Menschenleben gerettet. Sie funktionieren, indem sie sich bei einem moderaten bis schweren Aufprall in weniger als 1/20 Sekunde aufblasen. Ihr Design ist darauf ausgelegt, synergetisch mit dem Sicherheitsgurt zu arbeiten, um das Risiko von Kopf- oder Oberkörperverletzungen während eines Kollisionsereignisses zu minimieren.

Doch wie sieht es aus, wenn man beispielsweise ein Motorrad fährt? Oder sogar ein Pferd reitet? Tatsächlich gibt es tragbare Airbags, die speziell für diesen Schutz entwickelt wurden. Wir erläutern die Details.

Es ist kein Geheimnis, dass Motorradunfälle oft tödlich enden. Der Bericht des NHTSA National Center for Statistics and Analysis aus dem Jahr 2016 stellte fest, dass die Sterbewahrscheinlichkeit eines Motorradfahrers bei einem Verkehrsunfall 28-mal höher ist als die eines Pkw-Passagiers.

Viele Motorradfahrer schützen sich bereits durch Helme und schwere Lederbekleidung, die mit Aufprallschutzplatten ausgestattet ist. Personengebundene Airbags in Jacken oder Westen könnten sich jedoch als sichere und komfortable Alternative erweisen. Helite, ein 2002 gegründetes französisches Unternehmen, gehört zu den erfahrensten Entwicklern von Airbag-Technologien für Radfahrer, Motorradfahrer, Reiter, Skifahrer, Piloten und Senioren.

Das Helite-Airbag-System für Motorradfahrer nutzt ein Auslöseschlaufe (Lanyard), das sowohl am Motorrad als auch an der Weste befestigt ist. Wenn sich die Schlaufe vom Motorrad löst, wird ein Bolzen freigegeben und der Airbag bläst sich in weniger als 1/10 Sekunde auf – und bleibt für weitere 15 bis 20 Sekunden aufgeblasen, um den Fahrer während eines Unfalls zu schützen. Der Airbag für Reiter funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip: Die Reiter befestigen die Schlaufe an ihrem Steigbügel. Stürzt oder wird der Reiter vom Pferd geschleudert, löst die Schlaufe den Bolzen aus und lässt den Airbag expandieren. Mehrere andere Unternehmen, darunter das in den USA ansässige Skidbike, bieten persönliche Airbags nach diesem bewährten Prinzip an.

Helite bietet jedoch auch einen speziellen Airbag für Radfahrer an, der auf einer anderen Technologie basiert. Die B’Safe-Radweste von Helite nutzt Sensoren, die sowohl in der Weste als auch unter dem Fahrradsattel montiert sind, um die Bewegungen und Erschütterungen des Radfahrers zu analysieren. Bei der Detektion abnormaler Muster „kommunizieren“ die Sensoren miteinander und bewerten die Situation. Sobald ein Unfall oder Sturz erkannt wird, wird die Inflation der Weste ausgelöst. Im Februar 2019 wurde B’Safe mit dem französischen Innovationspreis für Verkehrssicherheit in der Kategorie „Zweirad-Assistenzsysteme“ ausgezeichnet.

Hip’Safe ist ein tragbarer Airbag, der Senioren vor Hüftfrakturen schützen soll. Ein Sensor kann einen Sturz innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde erkennen und die Auslösung des Airbags bewirken. Der Gürtel registriert, ob sich der Träger auf eine Weise bewegt, die für einen Senior unnatürlich, gefährlich oder fehlerhaft ist. Sobald die Sensoren einen Sturz detektieren, entfalten sich die Airbags über den Hüften schnell genug, um zum Zeitpunkt des Aufpralls auf den Boden oder ein Hindernis vollständig aufgeblasen zu sein.

AUTOR

Dieter Hartmann

IT-Professor

Dieter Hartmann ist leidenschaftlicher Motorjournalist und ehemaliger Rennfahrer. Er berichtet über Motorsport und Automobilneuheiten.

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