Seit ihrer Erfindung ist das Automobil ein fortwährender Entwicklungsprozess. Ob es sich nun um radikale Umbrüche vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb handelt oder um das bloße Hinzufügen oder Entfernen von Flossen, Spoilern und anderen ästhetischen Merkmalen – Automobilentwickler scheinen nie zufrieden zu sein. Und wir können froh darüber sein, dass dies so ist; denn ohne Innovation und das Testen neuer Konzepte wären wir nicht einmal wieder bei der Ära der Pferdekutschen gelandet – es gäbe vermutlich nicht einmal mehr die Kutschen selbst.
Einer der größten Köpfe des innovativen Designs in Amerika war der bahnbrechende Architekt, Ingenieur und Universalgelehrte Buckminster Fuller. Ob Geodätische Kuppeln, energieeffiziente Häuser oder gar fliegende Städte – Fuller, oder einfach „Bucky“, wie er genannt wurde, hatte von den 1930er bis in die 1950er Jahre eine Vielzahl visionärer Ideen. Erfahren Sie mehr über Fullers Konzepte in dieser Episode unseres Podcasts „Stuff to Blow Your Mind“ von deoge:
Fuller wandte sein zukunftsorientiertes Denken auf das Automobil an und schuf das sogenannte Dymaxion Car. Der Name ist ein Kofferwort aus den Begriffen *dynamic*, *maximum* und *tension*. Das dreirädrige Fahrzeug mit Canvas-Verdeck ließ sich von der Aerodynamik von Flugzeugen und Luftschiffen inspirieren und war auf maximale Effizienz ausgelegt: Es konnte bis zu 11 Passagiere mit einer Geschwindigkeit von bis zu 145 Kilometern pro Stunde (90 mph) transportieren und erreichte eine Reichweite von etwa 48 Kilometern (30 Meilen) pro Gallone Benzin. Im obigen Video unternimmt Dan Neil, Kolumnist des Wall Street Journal, eine Testfahrt mit einer Replik des 1933er Dymaxion No. 1, die vom Lane Motor Museum in Nashville angefertigt wurde und dort auch untergebracht ist. „Dies ist die Romantik der Luftfahrt, die auf den Boden gebracht wurde“, sagt er.
Dank des Frontantriebs und des geräumigen Innenraums sei das Fahrgefühl „sehr nautisch“, erklärt Neil im Video. „Das Gefühl der Ruderpinne (Tiller) ist sehr ausgeprägt.“ Das ist nicht unbedingt ein Kompliment, da Neil anmerkt, dass sich das Auto selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten unsicher anfühlt. Er fügt hinzu, dass das Fahren dieses „Straßen-Zeppelins“ ihn vor allem an das „Taxing eines Spornradflugzeugs auf einer Landstraße“ erinnere.
Wir werden das Dymaxion Car wohl so schnell nicht wieder auf den Straßen sehen, aber es ist faszinierend zu bedenken, dass Automobilentwickler bereits vor fast 100 Jahren bereit waren, in einer noch jungen Industrie mit völlig unterschiedlichen Konstruktionsprinzipien zu experimentieren.
Im Jahr 1936 stellte Buckminster Fuller zudem die Idee eines Dymaxion-Badezimmers vor: eine tragbare Kupferstruktur, die eine selbstreinigende Dusche und eine wasserlose Toilette enthielt, die menschliche Abfälle automatisch für die Kompostierung vakuumverpackte.


Die Dymaxion war wirklich futuristisch – das Lenken fühlte sich an wie ein Flugzeug im Stadtverkehr.
Beeindruckend, wie wenig Wendekreis das Fahrzeug brauchte, aber der Komfort ließ zu wünschen übrig.