Die Welt der Automobilindustrie ist voll von Geschichten über missglückte Starts und spektakuläre Abstürze. Von Halo-Cars und Konzeptstudien, die die Kunden abschrecken, bis hin zu Unternehmern wie Preston Tucker, die in finanzielle Abgründe stürzten – die Branche kennt ihren Anteil an zerplatzten Träumen.
In dieser Episode von CarStuff führen uns die Gastgeber Ben Bowlin und Scott Benjamin in die Geschichte eines deutschen Automobilherstellers ein. Es ist eine Saga über einen Selfmade-Unternehmer, die Nationalsozialisten, mögliche Korruption, eine späte Rehabilitation – und einige wirklich wunderschöne, aber in Vergessenheit geratene Fahrzeuge.
Carl F. W. Borgward war ein deutscher Industrieller, der 1919 über ein Unternehmen für Automobilteile namens Bremer Reifen-Industrie GmbH in das Fahrzeugeschäft einstieg. Aus diesem Betrieb ging schließlich das Unternehmen Borgward hervor. Er wurde nicht in die Wiege des Wohlstands geboren; sein Vater arbeitete im Kohlebergbau und ernährte Borgwards zwölf Geschwister. Doch Borgward hegte eine leidenschaftliche Faszination für Automobile. Im Jahr 1924, im Alter von 34 Jahren, brachte er sein erstes eigenes Fahrzeug auf den Markt: den Blitzkarren, einen dreirädrigen Lieferwagen, der ideal für Händler war, die ein kompaktes Transportmittel suchten.
Auf den Blitzkarren folgte der Goliath Pionier, ebenfalls ein dreirädriger Zweisitzer.
Die Entscheidung für das Dreirad-Konzept war kein Zufall, sondern eine strategische Entscheidung, um steuerliche Hürden zu umgehen. Ein dreirädriges Fahrzeug wurde steuerlich als Motorrad und nicht als teureres Automobil eingestuft. Erschwerend kam hinzu, dass für die Bedienung dieser Fahrzeuge kein Führerschein erforderlich war (was aus Sicht der Verkehrssicherheit wohl weniger vorteilhaft war).
In den 1930er Jahren wurden Borgwards Fahrzeuge so populär, dass die Lieferzeiten mehrere Monate betrugen. Doch dann trat ein massives Problem auf:
Borgward wurde „eingezogen“ (ob unter Zwang oder nicht, ist bis heute Gegenstand von Diskussionen), um Militärfahrzeuge für die deutsche Kriegsmaschinerie zu produzieren. Nach dem Krieg musste der Automobilunternehmer eine dreijährige Haftstrafe wegen Beihilfe zu den Nationalsozialisten verbüßen. Nach seiner Entlassung fand er seine Fabriken in Bremen durch alliierte Bombenangriffe weitgehend zerstört vor.
Doch Borgward war entschlossen, den Wiederaufbau voranzutreiben, und griff zu einem strategischen Kniff. Da Deutschland in der Nachkriegszeit Materialien rationierte, entschied die Geschäftsführung, das Unternehmen in drei separate Einheiten aufzuteilen: Borgward, Goliath und Lloyd, jede mit eigenem Markennamen. Auf diese Weise konnte jede Gesellschaft ein eigenes Kontingent an Stahl und anderen Rohstoffen beantragen.
Rückblickend könnte dies jedoch ein fataler Fehler gewesen sein. Jede der drei Marken unterhielt eine eigene Konstruktions- und Einkaufsabteilung, was bedeutete, dass Teile und Ressourcen nicht gemeinsam genutzt wurden. Die Entwicklung jedes einzelnen Bauteils für jedes separate Modell erforderte enorme Kapitalaufwendungen.
Die Auswirkungen dieses Fehlers zeigten sich jedoch nicht sofort, da die 1950er Jahre eine Blütezeit für Borgward darstellten. Das Unternehmen brachte das extrem populäre Modell Isabella sowie weitere Neuheiten auf den Markt, die mit fortschrittlichen Merkmalen wie Luftfederung und Automatikgetriebe glänzten. Bis 1959 wies das Unternehmen einen Umsatz von etwa 158 Millionen Dollar aus.
Doch ein Artikel im Magazin „Der Spiegel“ aus dem Jahr 1960 stürzte das Unternehmen in eine tiefe Krise. Der Bericht behauptete, dass die segmentierte Struktur der Firmen zu Liquiditätsengpässen und organisatorischem Chaos geführt habe. Dies veranlasste den Stadtstaat Bremen – dessen regierende politische Partei kein Fan von Carl Borgward war –, einen Kredit zu verweigern und ihn faktisch dazu zu zwingen, das Unternehmen abzugeben.
Und wer wurde an die Spitze des Unternehmens gesetzt? Ein Vorstandsmitglied von BMW, einem großen Konkurrenten. Bis 1961 war das Unternehmen aus dem Geschäft ausgeschieden – allerdings wurden alle Gläubiger unmittelbar ausgezahlt, was die Behauptung, Borgward sei in einer ausweglosen finanziellen Lage gewesen, höchst fragwürdig erscheinen lässt.
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Borgward ist zurück. Carl Borgwards Enkel belebte die Marke wieder und verkaufte sie an ein chinesisches Unternehmen. Unter dem Namen Borgward wurden neue Designs entworfen und auf den Markt gebracht.


Ich erinnere mich noch, dass mein Großvater einen Borgward besaß und ihn über alles liebte. Schön, dass deoge diese Geschichte wieder aufgreift und die technische Pionierarbeit von Borgward würdigt.
Ein faszinierender Einblick in ein fast vergessenes Kapitel der deutschen Industriegeschichte. Es ist wirklich tragisch, wie ein so innovatives Unternehmen durch strategische Fehler und Pech unterging. Danke für den Artikel auf deoge!